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Es ist Herbst – Ein Plädoyer für mehr Heute

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass sich die Insel so langsam leert und endlich die vielgeliebte Ruhe eingekehrt. Oder zumindest in den Ferien, wie sonst auch, wieder vermehrt Familien mit Kindern hier bei uns zu Gast sind.

Aber Nein, egal wo hin man schaut oder blickt, überall reifere Ehepaare, gerne auch generationstypisch gekleidet oder einsame Menschen, die durch die Straßen irren. Und abgesehen von der Uniformität der Masse hört man von dieser auch überall die alte und ewig gleiche Leier:

Früher war das hier aber billiger, sauberer, schöner, ruhiger, netter, näher beieinander, halt anders und besser. Aber was wissen Sie schon davon junger Mann, ich fahre ja schon 15 Jahre hier her….

Manches davon mag sicherlich wahr sein. Aber früher wart auch ihr etwas ganz wichtiges: Nämlich jünger! Da kommt einem vieles auch ganz einfach anders vor! Aber nehmen wir diese Aussage doch einmal Stück für Stück auseinander:

Billiger? Ja, der böse böse Teuro. Alles hat er geändert. Und viel schlechter gemacht. Genau! Die EU ist schuld! An allem und sowieso! Das Ihr nun in einem Tourismusort seid, wo vielleicht eh alles etwas teurer ist geschenkt. Aber sind wir mal ehrlich, für die 3,90 Mark, die damals ein Mittagessen gekostet hat, bekommt der Wirt heute nicht mal mehr die Zutaten..

Sauberer? Auch das mag sein, aber wenn ihr es schon so seht, verteilt doch bitte euer Kräuterbonbonpapier nicht auch gleich mit auf der Straße!

Schöner? Nun ja, es ist Herbst! Herbst heißt graues Wetter und Nebel. Und auch mal Regen. Oder gar: Wind! „Schrecklich dieser Sturm hier, das gab es früher hier nicht“. Stimmt. Da wart ihr aber auch im Juli mit euren Kindern hier und nicht in der stürmischen Jahreszeit!

Ruhiger? Nicht im Sommer, dort tobte schon immer das pralle Leben. Generell eigentlich immer in den Ferien, das solltet ihr noch selbst wissen. Aber sich wirklich zur Ferienzeit über spielende Kinder beschweren? Das ist doch nicht euer Ernst? Oder etwa doch?

Netter? Ja, da mag ich euch bedingt Recht geben. Sicherlich trifft man derzeit auf den ein oder anderen Verkäufer, dem man anmerkt, dass er seit 6 Monaten 7 Tage die Woche 9 Stunden lang versucht euch beige Jacken zu verkaufen. Und Ja, eigentlich dürfte man ihm das nicht anmerken! Aber hey, das sind auch nur Menschen!

Näher beieinander? Wege, die einem noch vor 10 Jahren sehr kurz erschienen, stellen heutzutage vielleicht einfach ein ganz anderes Hindernis dar. Gegenwind wird vom lustigen Spielgefährten zum Endgegner, kleine Hügel zu großen Bergen. Andererseits: Ihr habt Zeit! Ihr seid ja schließlich im Urlaub!

Anders? Ganz bestimmt sogar! Ich möchte behaupten, das es der Tod eines Urlaubsortes wäre, wenn sich in 20 Jahren gar nichts ändern würde.

Besser? Ich finde, das braucht man eigentlich gar nicht zu kommentieren. Gut ist immer das, was ihr selbst daraus macht!

Was weiß ich denn ich davon? Nun ja, vor etwa 15 Jahren war ich bereits schätzungsweise 27 Mal selbst zu Gast auf dieser Insel. Und in den Jahren danach wurde meine Besuche sicherlich nicht weniger und nun lebe ich ja sogar seit einigen Jahren hier. Und ich habe viele Änderungen selbst erlebt, Läden öffnen und schließen, Angebote starten und auslaufen sehen.  Nur eine Sache, die ist bis heute geblieben und die ist es, die mich hier hält und euch, trotz allem, Jahr für Jahr wieder hierher zieht:

Der Strand, das Meer, die Wellen, die unendliche Weite
Der Strand, das Meer, die Wellen, die unendliche Weite, der endlose Weg zum Horizont
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Wer kennt sie nicht?
Die Generation der Menschen im Alter 70 + X, häufig gekleidet in modisches beige.
Beige Hose, beige Jacke, beige Sandalen, beige Schuhe, beige Weste, beige überall.
Setzt euch einfach einmal in ein Straßencafe und schaut euch 30 Minuten lang die vorbeiziehenden Senioren und Rentner an.
Mindestens 40% der beobachteten werden mindestens ein Kleidungsstück am Körper tragen, welches der Duden liebevoll mit cremefarben / creme / cremeweiß / eierschalenfarben / elfenbeinfarben / gelblich weiß / mattgelb oder sandfarben umschreibt.
Unter uns gesagt, ich finde beige schon schlimm als Begriff aber eierschalenfarben?
Wer möchte denn bitte etwas anziehen das von der charmanten Modeberaterin als „Trendfarbe eierschalenfarben“ beschrieben wird?

„Oh hier, dieses Oberteil ist doch ein Traum in Eierschale?“
„Nein Danke, aber hätten sie es nicht auch in Mauve Taupe?“

Also ganz ehrlich ich kann das einfach nicht verstehen.
Denn es ist ja nicht so, als hätten diese Menschen schon immer diese Farben gekauft. Aber scheinbar hat irgendjemand in unserem genetischen Code einen winzigen kleinen Schalter eingebaut, der ab erreichten Renteneintrittsalter umspringt und auf einmal diese eine Farbe aktiv ins Bewusstsein ruft.
Vorher würden wohl nur die wenigsten Menschen freiwillig so etwas anziehen, aber dann … Potzblitz … scheint es nur diese Farbe zu geben.
Der HSE24 Onlineshop zählt nicht weniger als 165 Damenbekleidungsstücke in beige, mehr gibt es nur in weiß, blau oder schwarz.
Und das einmal ganz abgesehen von den ganzen Seniorenbekleidungs-ONLINE-Shops die ich zu Recherchezwecken besucht habe und die mir von nun auf ewig in meinem Google Interessenprofil nachhängen werden.

Natürlich gibt es auch bunte Ausnahmen, aber eben diese Ausnahmen übertreiben es dann doch häufig mit dem bunt. Dann werden die abstrusesten Prints, bei deren Erstellung die zuständigen Designer von blinden Hamstern abgelöst wurden, mit Accessoires kombiniert, für die kein 11jähriges Mädchen eine Bravo Girl kaufen würde. Aber dann dazu mehr wenn es heißt:

Magisches Mysterium Multifunktionsweste, praktisch prunkvoller Partnerlook und atemberaubend abgedrehte All-Over Prints!